Dienstag, 27. Januar 2015

Nicaraguakanal - Jahrhundertwerk oder Desaster?

Das Jahr 2014 wird in Panama nicht nur als das Jahr in Erinnerung bleiben, in dem der einträgliche Panamakanal sein 100-jähriges Jubiläum feierte, sondern auch als das Jahr, in dem sich mit dem Baubeginn des Nicaraguakanals ein Konkurrent daran machte, sich ein Stück vom Kuchen abzuschneiden.
Seit dem 22. Dezember 2014 geht es nicht mehr um die Frage, ob der Nicaraguakanal gebaut wird. In einer feierlichen Zeremonie gab Nicaraguas Staatspräsident Daniel Ortega den Startschuss für das heiß und kontrovers diskutierte Mega-Projekt. Ob der neue Kanal, der wie der Panamakanal den pazifischen mit dem atlantischen Ozean verbinden soll, allerdings je fertiggestellt wird und wenn ja, zu welchem “Preis”, steht auf einem anderen Blatt.

Ein Blick auf Panamas wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung zeigt, wie groß die
Bedeutung dieser Wasserstraße quer durch Amerika ist. Schon bevor die USA - welche den Panamakanal erbauten und ihn während der ersten 85 Jahre betrieben - den Kanal und seine volle wirtschaftliche Nutznießung im Jahre 1999 dem panamaischen Volk zurückgaben, profitierte das kleine zentralamerikanische Land enorm von dieser wichtigen Ader des Welthandels. Nach und nach entstand eine dem Schiffsverkehr nachgelagerte Dienstleistungsindustrie mit internationalem Schiffsregister, Versicherungen, Banken, Hafen- und Containeranlagen, Freihandelszonen sowie vielen Infrastrukturen für Güter- und Warentransporte. Auf diesen Bausteinen und den zwischenzeitlich auf jährlich über eine Milliarde USD angewachsenen Nettostaatseinnahmen aus dem Kanalbetrieb basiert Panamas heutige Prosperität.

Es kann deshalb nicht verwundern, dass das weiter nördlich liegende Nicaragua - eines der ärmsten Länder des amerikanischen Subkontinents - dem Beispiel von Panama folgen und mit dem Bau des Nicaraguakanals eine alternative Wasserstraße realisieren möchte. Pläne dafür - auch recht konkrete - gibt es schon seit Jahrhunderten. Inwieweit das jetzt gestartete Bauvorhaben dem nicaraguanischen Volk eine bessere Zukunft bescheren wird, ist derzeit jedoch noch sehr umstritten. Das aktuell weltweit größte Bauprojekt soll in Zusammenarbeit mit einer chinesischen Investorengruppe, in deren Zentrum der chinesische Oligarch Wang Jing steht, realisiert werden. Die Baukosten sind mit nur 40 Mrd. USD veranschlagt. Das macht nicht wirklich Sinn, wenn man bedenkt, dass alleine der Ausbau des Panamakanals mindestens 8 Mrd. USD verschlingen wird. Kommt hinzu, dass der Ausbau des Panamakanals, der 2007 begann und 2013 hätte fertiggestellt sein sollen und bei dem es vor allem darum geht, auf beiden Seiten des Kanals größere Schleusen zu bauen, nach siebenjähriger Bauzeit immer noch nicht fertig ist. Es dürfte noch mindestens zwei weitere Jahre dauern bis es soweit ist. Und das vor allem deshalb, weil sich das Ausbauvorhaben als wesentlich komplexer erweist als von den internationalen Ingenieuren vorausgesehen und geplant. Wie also der Nicaraguakanal, der mit seinen Ausmaßen den Panamakanal wie ein Rinnsal erscheinen lässt, bis Dezember 2019 fertiggestellt und mit 40 Mrd. USD auskommen soll, ist kaum nachvollziehbar. (Länge Panamakanal = 80 km; voraussichtliche Länge Nicaraguakanal = 278 km) Dass ein Großteil der Bauausgaben dem nicaraguanischen Volk und Staat in Form von Arbeitsplätzen (bis zu 50’000) und Ausgaben für Baumaterial und Baurohstoffen zugutekommen wird, ist erfreulich und wird diese arme Nation sicher ein Stück vorwärts und weiterbringen. Die chinesische Investorengruppe sowie der hinter der Investorengruppe stehende chinesische Staatsapparat, scheinen das Heft jedoch in der Hand zu haben. Gemäß Konzessionsvertrag haben die Investoren das Recht, den Kanal während der ersten 50 Jahren zu betreiben und wirtschaftlich zu nutzen, inklusive einer Option für weitere 50 Jahre. Während dieser Zeit soll Nicaragua jährlich gerademal 10 Mio. USD erhalten. Noch vorteilhafter aus chinesischer Sicht scheint jedoch die Klausel zu sein, wonach die Investoren das Recht haben, entlang dem Kanal uneingeschränkt Rohstoffe abzubauen sowie Infrastrukturen wie Hafenanlagen, Hotelanlagen, Straßen und Eisenbahnen zu bauen und zu betreiben. Kritische Beobachter gehen deshalb davon aus, dass sich China - ähnlich wie in gewissen afrikanischen Regionen - sozusagen über die Hintertür, ein ganzes Land und seine Rohstoffe und Bodenschätze einverleibt. Darauf lassen insbesondere auch die ersten betriebswirtschaftlichen Renditeprognosen des Nicaraguakanals schließen. Sie sind auch mittel- bis langfristig zu gering, als dass der voraussehbare finanzielle Aufwand allein für den Kanalbetrieb gerechtfertigt wäre.
Nicaragua See - größtes zentralamerikanisches Süßwasserreservoir.
Mehr als ein Drittel der neuen Wasserstraße führt durch diesen See.
Da die natürliche Seetiefe nicht ausreichend ist, muss auf weiten
Strecken eine Wasserrinne von rund 30 m ausgehoben werden.
Die sozio-ökologischen Auswirkungen werden so gigantisch wie das Bauvorhaben selber sein. Zahlreiche Dörfer müssen umgesiedelt werden und Tausende befürchten den Verlust ihrer Existenzgrundlagen als Kleinbauern oder Fischer. Nationale und internationale Umweltverbände sowie die Betroffenen selber protestieren immer lautstarker gegen die Willkür, mit der die nicaraguanische Regierung das Projekt durchpeitschte und lehnen sich dagegen auf, dass die bisherigen, vom künftigen Betreiber selber gemachten Umweltstudien, nicht öffentlich gemacht werden.

Ob der Nicaraguakanal dereinst als Jahrhundertwerk oder als Desaster in die Geschichte eingehen wird, scheint im Augenblick ziemlich offen.


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